Das Weihnachtsgrüßen

Als Stadtkind magst du den Eindruck mit mir teilen, dass das Grüßen der Mitmenschen, denen man auf der Straße begegnet, aus der Mode gekommen ist. In Fußgängerzonen sowieso. Aber in diesen Zeiten sind die Straßen weniger belebt und ein allgemeines Bedürfnis nach menschlicher Verbundenheit greift um sich. Dieses Weihnachten hatte ich mir vorgenommen, meine Scheu zu überwinden, Fremden etwas Schönes zu wünschen.

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Fühlen abgesagt

Ein Freitagmorgen im Herbst. Ein Freitagmorgen im Altenheim. Ein Freitagmorgen in der C-Zeit. Mein wöchentlicher Besuch bei der alten Dame, die ich seit 1 ½ Jahren betreue, verläuft wie immer. Gemeinsames Teetrinken, ein kleiner Spaziergang um den Block, das Betrachten des Fotoalbums mit den Babybildern ihrer Kinder. Sie sind mir inzwischen wohlvertraut. Zum Abschied steckt sie mir noch eine Tafel Schokolade zu, wie jeden Freitag. Als ich beim Hinausgehen am Schwarzen Brett im Foyer der Seniorenresidenz vorbeigehe, fällt mir folgender Zettel auf:

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Lebenslang

Lebenslang trinke ich vom Glücklichmacher
des schaukelnden Kinderlachens
in heller Landschaft in mir. Sommer. Sommer im Garten.
Wir tragen Kostüme unterm Zirkuszelt
und tanzen so hoch auf schmalen Seilen
über der Sandkiste für all die Alten,
die auf wackeligen Stühlen ins Gras purzeln vor Wonne.
Wir lieben die Luftnummern, die Schlangenbeschwörung
an der Peripherie […]

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Das Gefühl des Sommers

Sommer 1999. Die Zeit der Sonnenfinsternis. Um mich ist hellblaues, kristallklares, eiskaltes Wasser. Jeden Morgen in diesen 2 Wochen ziehe ich hier im Freibad im Schwabenland um 8 Uhr morgens meine Bahnen. Ich fühle mich kraftvoll und stark, glücklich in meinem 27-jährigen Körper. In mir eine immense Zufriedenheit, in den letzten 6 Monaten in Oslo […]

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Vor allem

Die Mühlräder sind stehengeblieben. Es wird nichts mehr produziert. Mein Job existiert nicht mehr, weggefegt von der Angst. Ich kehre der Welt den Rücken und ziehe mich in meine Hütte zurück. Ich habe genug zu essen, Wasser ist auch da, und das Dach ist dicht. Ich ziehe den Stecker aller elektronischen Geräte. Was bleibt nun, […]

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Auf Gedeih und Verderb

Alles wäre ganz anders gekommen, wenn ich damals auf der Bank im Englischen Garten in München nicht mit offenem Mund verstorben wäre. Als kleine Anekdote sei nebenbei bemerkt, dass mir niemand den Mund schloss, die Beine auseinanderfaltete und meine Arme auseinandernahm, die ich zur Sicherheit in den jeweils anderen Ärmel meines Jäckchens gesteckt hatte. So wurde ich dann schließlich auch in den Sarg gepackt …

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visiting fellows

das mädchen ist verrückt geworden. ihre jetzige anschrift lautet bremen ost. sie hat zu hause das wichtige mit dem witzigen vertauscht, die pointe hat nur sie erfasst. dinge entglitten ihren händen, um die sie für gewöhnlich einen festen griff legte. sie las an sie gerichtete botschaften aus der gestempelten fahrkarte im müll, aus 2-sekunden …

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