Geknackt

Der Lockdown hatte es möglich gemacht. Mit einem Mal war der Radius des alltäglichen Lebens extrem eingeschränkt und die eigenen Nachbarn gewannen plötzlich ungemein an Bedeutung. Ich freute mich riesig, wenn ich bei meinem Gang zu den Müllcontainern mal einen von ihnen antraf. Ein echter Mensch! Wir lächelten uns meist freundlich zu und wagten sogar, […]

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Neulich im Park. Wie Fundstücke zu 5-Minuten-Texten werden

Der FlaschendeckelVerbeult, ramponiert, angerissen, beschmutzt und ausgebleicht. Das ist jetzt also das Ende seines langen, funktionalen Lebens als Vilsa-Wasserflaschendeckel. Irgendwie hatte er sich das anders vorgestellt, der kleine Egon, nennen wir ihn an dieser Stelle so. Er dachte Zeit seines Lebens als Flaschendeckel an seine strahlende Verwandlung im Recyclingzentrum. Zu Granulat eingeschmolzen werden wollte er, […]

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Das Gefühl des Sommers

Sommer 1999. Die Zeit der Sonnenfinsternis. Um mich ist hellblaues, kristallklares, eiskaltes Wasser. Jeden Morgen in diesen 2 Wochen ziehe ich hier im Freibad im Schwabenland um 8 Uhr morgens meine Bahnen. Ich fühle mich kraftvoll und stark, glücklich in meinem 27-jährigen Körper. In mir eine immense Zufriedenheit, in den letzten 6 Monaten in Oslo […]

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Wieder nix

…aus mir fließt der ganze Dreck, den ich in mir angesammelt habe, der in mir lagerte, als hätte ich alle Zeit der Welt, untermalt von der playlist aus besseren Tagen, als wir noch tanzten, nun mutierte die Realität, wurde einsam, es ist jetzt so. …unsere Lippen stürzen ins Leere, unsere Hochzeiten liegen begraben in der […]

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Vor allem

Die Mühlräder sind stehengeblieben. Es wird nichts mehr produziert. Mein Job existiert nicht mehr, weggefegt von der Angst. Ich kehre der Welt den Rücken und ziehe mich in meine Hütte zurück. Ich habe genug zu essen, Wasser ist auch da, und das Dach ist dicht. Ich ziehe den Stecker aller elektronischen Geräte. Was bleibt nun, […]

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Auf Gedeih und Verderb

Alles wäre ganz anders gekommen, wenn ich damals auf der Bank im Englischen Garten in München nicht mit offenem Mund verstorben wäre. Als kleine Anekdote sei nebenbei bemerkt, dass mir niemand den Mund schloss, die Beine auseinanderfaltete und meine Arme auseinandernahm, die ich zur Sicherheit in den jeweils anderen Ärmel meines Jäckchens gesteckt hatte. So wurde ich dann schließlich auch in den Sarg gepackt …

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visiting fellows

das mädchen ist verrückt geworden. ihre jetzige anschrift lautet bremen ost. sie hat zu hause das wichtige mit dem witzigen vertauscht, die pointe hat nur sie erfasst. dinge entglitten ihren händen, um die sie für gewöhnlich einen festen griff legte. sie las an sie gerichtete botschaften aus der gestempelten fahrkarte im müll, aus 2-sekunden …

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