Noch dreißig Minuten habe ich in diesem verflixten Kreativraum Zeit, meine Weltsicht, meine Haltungen zu allem, meine Positionen in Wolle, Filz, Ton, Ac-ryl oder mittels der Collagetechnik zu einem einzigen Kunstwerk zum Aus-druck zu bringen. Die Leute hier sind die Gesellschaft einmal querbeet. Es scheint wichtig zu sein.
... weiterlesenDas H-Gedicht
Herr Kowalcik, der Poet aus dem Turmzimmer der Traumgasse 17, hatte eine Phase seines Schaffens erreicht, in welcher er das Bedürfnis, etwas Bleibendes in die Welt zu setzen, nicht länger ignorieren konnte.
Zu lange, meinte er, hatte er sich schon der Wegwerf-Lyrik gewidmet mit seinen Gedichten, die er vor dem örtlichen Supermarkt den Einkaufenden in die Hand drückte.
Kleines Gewehr
Wort fließt um Wort fließt um Gedanke um Gedanke fließt um Hypothese um Theorie um Gedankengebäude um intellektuelles Konstrukt um Hirngespinst es ist alles da draußen eine Bewegung von Synapse zu Synapse von Gehirn zu Gehirn von Server zu Server durch unsichtbare Leitungen und Nervenbahnen es ist unfassbar viel
... weiterlesenAußenansicht meiner Mutter
Meine Mutter ist eine Kanonenkugel aus Lebenslust. Rein äußerlich war sie schon immer extrem wandlungsfähig. Nie vergesse ich, in welchem Dress sie früher bei uns im Haus die riesigen Fensterfronten putzte. Den Geruch des Spiritus auf dem weichen Fensterleder in der Nase erinnere ich mich
... weiterlesenEin schönes Ende
Der Moment, in dem ich meine Hand auf die Klinke des Zimmers 1B im Pflegeheim „Zum heiligen Martin“ legte, wusste ich, dass er heute wacher sein würde. Meine Mutter hatte in Absprache mit dem überarbeiteten Dorfarzt er-wirkt, dass alle seine Medikamente abgesetzt werden sollten. Nichts mehr gegen das Vorhofflimmern, keine blutdrucksenkenden Mittel mehr, aber eben auch kein Benzodiazepam mehr.
... weiterlesenDreams about Catalpa (April 2025)
ich höre Schüsse in der Ferne leise sie erreichen mich nicht und doch bewegt sich die alte Heide sachte die Holzmaske an der geweißten Wand wirft Blicke die mich hineintragen in die Welt welche Fragen stellt sie let it go let it go let it go wiederholt die Musik die androgyne Stimme sie flüstert
... weiterlesenDie Stille in mir
Ich schließe die Augen und träume mich in die Berge. Ich sehe Nebel zwischen den Bergriesen meiner Vergangenheit. Das Rubihorn. Der Hohe Ifen. Das Nebelhorn. Alle noch da, seit Jahrtausenden.
... weiterlesenAn der Küste
Als ich das Segelboot fand, war ich noch ganz neu in der Gegend. Die anderen Leute trugen weiße Kleider oder kobaltblaue Leinenhosen und ernteten Worte aus ihren Gärten, schmückten ihre Kaffeetafeln mit Narzissen und wunderten sich, dass der Mond noch nicht untergegangen war.
... weiterlesenStabsstelle Freiheit
Die Behörden hatten ihr ein Dokument geschickt. Schwarz auf weiß hatte man sie von allen Zwängen befreit. Ein Beamter in der Hauptstadt hatte sogar mit blauer Tinte unterschrieben. Dieses Schreiben hatte sie neben ihr Bett gehängt, damit sie diesen Umstand nicht aus den Augen verlor.
„Sehr geehrte Frau M.!
Wir haben ihren Antrag geprüft. Sie sind von nun an ein freier Mensch. Vergessen sie das nie! …
Laternenmusik
Mystify in der Luft. I see your face and I will survive. Du bist mein bester Freund with all the stars shining upon you. The misty streets are blue, wir gehen über diese Brücke in dieser dunklen Nacht, das Wasser ist hell. Es sind die Straßenlaternen…
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