Beiläufig

und doch so erzählte sie
war es tragisch
dass sie im Kindergarten die
Drachenlaterne trug
die coole
statt des anthroposophischen
Standardmodells

so perlten die Gespräche
über die Vergangenheit
die in unterschiedlichen Größen
in uns versenkt ist

da täuschte auch der Bast
auf dem Strandhäuschen
im verhangenen Licht der
Regenschauer
nicht darüber hinweg
dass wir hier nicht
an den Südstränden gelandet waren


© Friederike Hermanni
, 2020

Sommertag

die Lachen auf den blaulackierten
Biertischen spiegelten den gestreiften
Himmel als wäre es pretty normal
dass wir im Innern der Imbissbude
filigrane Zeichnungen fertigten
um der Welt etwas entgegenzusetzen


© Friederike Hermann
i, 2020

Realitäten

Die Haltung zur Welt
auf den hinteren Rängen der Chats?
Für immer ungelesen.

Rezept 5 bis 998
wenn ich bei Google Quarkkeulchen eingebe?
Nie nachgekocht.

Der letzte Paragraph
in den Nutzungsbedingungen?
Wir sehen alles!


© Friederike Hermanni,
2020

Wagnis

  1. Angst?
    Ein Jetzt ist möglich.
    Mehr gibt es nicht zu tun.

  2. Ich bin
    am richtigen Ort.
    Auch bei schwierigen Sichtverhältnissen.

  3. Ich gebe die Kontrolle auf.
    Ich tauche ein.
    In voller Montur.


© Friederike Hermanni,
2020

Kein Bild

Mein Du war Bild von dir
gemalt mit den Flügeln der Liebe
Es hing im Vorstellungsraum

Mein Du war Galerie von dir
doch glich sie
deinen Farben und Gesichtern?

Das Du versprach mir ein Morgen
von dem es kein Bild gab
das zu zeichnen ich nicht vermochte

Und nun hat das Du mich verloren
Ich lebe an einem Ort
der unerreichbar ist


© Friederike Hermanni, 2020

Tamtam

Unsere Körper, die drehten ihr Ding.
Liefen aneinander heiß,
kultivierten die lovestory im Kopf,
ignorierten das Warngeblinke.
So gaukelten sie uns Liebe vor
und wir, wir klammerten uns
an den Fetisch der
immer schon abgenutzten Ewigkeit.
Das Verfallsdatum fand sich im Diesseits.
Doch ohne Träume
gäb’s den ganzen schönen Tamtam nicht.


© Friederike Hermanni, 2020

Luxusland

Die Kraftwerke pumpen
Die Akkus sind geladen
Es ist genug Saft da

Die Rechner surren
Die Tablets glühen
Wir arbeiten daran

Die Handys vibrieren
Die Telefone rotieren
Wir sind nicht allein

Die Fernseher informieren
Die Radios senden
Wir wissen Bescheid

Die Wasserkocher brodeln
Die Kaffeemaschinen brühen
Wir leiden keinen Durst

Die Heizer wärmen
Die Lampen brennen
Wir frieren nicht

Die Kühltheken surren
Die Kassen funktionieren
Wir haben zu essen

Die Monitore flimmern
Die Automaten gehorchen
Die Beatmungsgeräte laufen
Wir sterben nicht alle

Wir haben keinen Stromausfall
In unserem Luxusland

© Friederike Hermanni, 2020

Auswege

Wenn unsere Stimmen
die Vereinzelung übertönen
Wenn unser Halleluja
die Grenzen bezwingt
Wenn die Trommel
unsere Seelen beschwört
Tun sich Wege auf
die Angst hinter uns zu lassen
den Erregern zu trotzen
und uns die Hände zu reichen

© Friederike Hermanni, 2020

Frage

Bleiben
Deine Hand an meinen Flanken spüren
Dableiben
Mich über deine Lachfalten freuen
Nichts ändern
Mit dir am Fluss spazieren gehen

Bleiben
Weil du gut bist zu mir
Verbleiben
Weil du mich hältst
Nicht gehen
Weil du mich aushältst

Wie lange noch?

© Friederike Hermanni, 2020