25 Aspekte der Freude, der Dankbarkeit & des Vertrauens

Warum das Leben trotz und mit Corona reich ist

  1. Spielende Kinder & fröhliches Geschrei in offenen Gärten. Rollschuhlaufende Mädels mit Pferdeschwänzen. Und das alles montags um 11 Uhr.
  2. Weniger Verkehr. Mehr Fahrräder. Ich kann die Vögel besser hören. Und den Flügelschlag der Schmetterlinge. Sie haben keine Angst.
  3. Wir dürfen in der Sonne spazieren gehen, welch ein Luxus!
  4. Ich habe Zeit für meine Bücherstapel. Ein Märchen aus Burma entführt mich aus der crazy world der Hamsterkäufe.
  5. Wir Menschen kaufen plötzlich unglaublich viel Klopapier und die Regale sind leer. Es scheint da um tiefsitzende Ängste zu gehen. Mich beschleicht der Begriff der Luxussorge. Vertrauen, dass der Nachschub kommt. Ganz bestimmt. Die lassen uns nicht hängen.
  6. Nudeln ausverkauft? Ich probiere mich an den Quarkkeulchen meiner Oma. Die Kartoffeln dafür kommen aus dem Garten meines Vaters.
  7. Und noch gibt es Obst und Smoothies im Supermarkt, ein Leben im Schlaraffenland!
  8. Aber das Kaufhaus hat geschlossen und bestellen mag ich nicht? Ich fange an, meine in die Jahre gekommenen Klamotten zu reparieren. Ziemlich nachhaltig & sehr schick!
  9. Mit der Frau vor mir in der Schlange bei der Apotheke (1,5 m Abstand!) komme ich ins Gespräch. Das Desinfektionsmittel ist alle. Hilft eh nix. Dafür kaufen wir uns jetzt edle Seife.
  10. Mein Nachbar aus dem 1. Stock kann nicht kochen und hatte unvorsichtigerweise auch noch Karneval gefeiert. In seiner Quarantäne lasse ich ihm über den Balkon eine warme Mahlzeit herunter. Er schickt mir eine Fantasie-Umarmung.
  11. Meine Tochter bringt mir Frühstück ans Bett – mitten in der Woche! Danach setzen wir uns beide an unsere Schreibtische und arbeiten. Um 12 treffen wir uns zum Kaffee auf dem Balkon. Die Sonne tut, was sie kann.
  12. Meine Freundin und Kollegin arbeitet mit mir nachmittags vom Sofa aus über eine Videoschaltung. Ich fühle mich plötzlich sehr modern.
  13. Mein Freund aus Peking teilt auf facebook, dass die Zahl der Infizierten in China erstmals sinkt. Heute, wo der Frühling sich Bahn bricht.
  14. Und mein alter Schulfreund aus dem Süden arbeitet an der Impftechnologie. Das kommt in die Geschichtsbücher. Und ich fühle mich fast wie im Mittelpunkt des Geschehens.
  15. Ganz viel handfeste Unterstützung im digitalen Nachbarschaftsnetzwerk stimmt mich froh. Für die analogen Nachbar*innen werden Flyer verteilt: Kaufe für Sie ein!
  16. Mit der alten Dame, die ich normalerweise live betreue, führe ich jetzt lange Telefongespräche. Wir kommen in die Tiefe und lachen viel.
  17. Und meine noch gesunde, aber uralte Mutter sagt mir, ihr sei es recht, wenn sie sterben sollte. Sie hat ihr Leben glücklich gelebt. Die Jungen sollten gerettet werden.
  18. Das äußere kulturelle Leben kommt zum Erliegen. Die inneren kreativen Kräfte kommen zum Ausbruch. Zeitgleich mit dem Frühling. Die Kunst treibt Blüten und wird online gestellt.
  19. Abgesagte Reisen? Neu zu entdeckende Gebiete in meiner und deiner Innenwelt. Und die CO2-Emissionen sinken. Wir brauchen nicht mehr zu fliegen, um etwas zu erleben.
  20. Endlich mal wieder Telefonate mit alten Freund*innen. Alle haben abends jetzt Zeit!
  21. Meine spirituelle Gruppe geht online. Eine kollektive Erleuchtung!
  22. Das Kino hat geschlossen? Zeit für die Liebe!
  23. Meinem Liebsten und mir wird klar, was wirklich wichtig ist im Leben. Wir versöhnen uns nach drei Wochen Funkstille.
  24. Und schließlich Kellner zu Erntehelfern?
    Einzelhändler zu Einkaufsboten?
    Ex-Zivildienstleistende zu Notfallmanagern?
    Die Kreativität bahnt sich ihren Weg.
  25. Wir verlieren nicht den Mut! Positive Veränderungen sind möglich!
    Dies ist noch nicht das Ende, sondern vielleicht erst der Anfang.

© Friederike Hermanni, 2020

Veröffentlicht inProsa

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