Herkunft

I
Ich sah dich nie
in deiner blutigen Fleischerschürze
Lief neben dir
zu den Linden am Hang
als du mir erzähltest
du seist nur Koch in der Feldküche gewesen
hättest nie einen Menschen erschossen
Auf deinem Sterbebett
begrub ich den ersten Helden

II
Sogar dein Kalter Hund
war mit Präzision geschichtet
kaum essbar so dunkelsüß
Im Wintergarten die Luft aus Porzellan
dort schriebst du mir wie es war
von der Schuld
der glühenden Liebe zum Führer
vom Glauben an den Staat
Der Tod im Wendesommer deine Erlösung

III
Deine Brust in heller Mondnacht
im Licht der Felder nur wir zwei
Und doch vergisst du nie
den Zug der Häftlinge
von den Schergen durch dein Dorf getrieben
Mit 17 machtest du dich auf
über Wiesen über Grenzen
Dein Körper schenkte mir Leben
Mutig wurdest du Ikone der Liebe

IV
Die Nächte im Bunker das reinste Abenteuer
erzähltest du oft
Verlorene Wochen bei fremden Bauern
prägten deine Einsamkeit
Deine Suche nach Gott
führte zum reinen Bewusstsein
Wach und hell lebst du
wandelst zwischen den Sternen
und wirst mich nie verlassen

© Friederike Hermanni, 2020

Veröffentlicht inLyrik

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